Deutsches Unternehmerforum

Unternehmerforum und Wirtschaftsforum
für Unternehmer, Manager und Business
Inhalt Fachbeitrag


 

Gründercoaching Deutschland -
Eine Chance auch für die ganz kleinen Unternehmen und Berater

 
Von: Angelika Scheer-Leßig

 
1. Das Programm
 
Am 01.10.2007 startete die KfW-Bank auf der Basis der allgemeinen Förderbedingungen des Europäischen Sozialfonds (ESF) und der Wirksamkeit der Richtlinie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie das wohl bisher größte und vor allem wirkungsvollste Förderprogramm für junge Unternehmer in Deutschland in den ersten 5 Jahren ihres Bestehens.
 
Das größte Programm ist es unter dem Gesichtspunkt, dass diese Förderung von Coachingmaßnahmen für nahezu alle KMU-Unternehmensbereiche der Wirtschaft, des Handels- und Dienstleistungssektors und für die Freien Berufe (außer natürlich für Unternehmensberater selbst) bereitgestellt wird. Ausgenommen sind lediglich Unternehmen der Primärerzeugung von landwirtschaftlichen Produkten. Es handelt sich um eine bundeseinheitliche Förderung bis hin zur Bemessungsgrundlage (6.000 € Beraterhonorar), die sich in den einzelnen Bundesländern nur noch durch die Höhe des Fördersatzes unterscheidet. Ein Förderprogramm, welches bis 2013 gelten soll, und damit eine erhebliche Dimension hat.
 
Ein wirkungsvolles Programm wird es sicherlich schon deshalb, weil eine Förderung ins Leben gerufen wird, die für bereits gegründete Unternehmen greift. Die Geschäftsidee ist also schon auf den Weg gebracht, Gewerbeanmeldung und Eintragung bei Kammern und Verbänden laufen. Der Existenzgründer wird jetzt mit den unternehmerischen Alltags- und vor allem betriebswirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Es entsteht Bedarf an Beratung und für einen Coach zur Bewältigung von defizitären Situationen im unternehmerischen Dasein.
 
Gründercoaching Deutschland ist eine unternehmensbezogene Förderung von Vollexistenzen, die vor Beginn der eigentlichen Beratung aus dem laufenden Unternehmen heraus beantragt, aber erst begonnen wird, wenn die Zusage der KfW-Bank vorliegt. Aus Sicht des Beraters ist dies der entscheidende Punkt des Programms: Das Coaching beginnt erst nach dem "O.K." des Zuschussgebers, und zu einem Zeitpunkt, in dem der Gecoachte genau weiß, was er mit der Inanspruchnahme der Beratung erreichen will und kann.
 
Die Einzelheiten zum Programm und seiner Abrechnung sind individuell nachzulesen unter www.gruender-coaching-deutschland.de.
 
2. Der Berater als Generalist
 
Die Existenzgründungen in Deutschland sind vielschichtig, vor allem in den Bereichen, in denen sich hauptsächlich Einzelunternehmer selbstständig machen und stetig – wenn auch in kleinen Schritten – wachsen (müssen), wie Handwerker, Dienstleister, Handelsvertreter, Mittelständler in Produktionsnischen der Großindustrie oder als Spezialhersteller, Ingenieurbüros, Physiotherapeuten etc. Die Probleme zur Steigerung ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf wirtschaftlichem, finanziellem und organisatorischem Gebiet sind ihnen aber allen gleich – der Berater sollte also Generalist sein. Natürlich wird sich eine gewisse Spezialisierung schon bei der Suche nach einem geeigneten Gründercoach herauskristallisieren, aber ein guter Berater auf betriebswirtschaftlichem Gebiet sollte stets auch über ein Netzwerk von Spezialisten, auf das er jederzeit zugreifen kann, verfügen. Da Unternehmen in der Krise nicht über dieses Programm gefördert werden, sind also auch „Runder Tisch“ und Sanierungsberater für dieses Programm nicht geeignet.
 
Man sucht und findet einen geeigneten Berater zum Beispiel durch Recherche in www.beratersuche.de, wenn nicht bereits durch die so genannte "Mund-zu-Mund-Propaganda" ein Berater in der näheren Umgebung gefunden wurde.
 
Auch im Beraterregister des Bundesverbandes der Wirtschaftsberater BVW können sich Berater listen lassen, die schon mehr als 2 Jahre beratend tätig sind und über eine entsprechende Ausbildung verfügen. Daneben wird hier streng auf Leumund und Referenzen geachtet und bei der Suchanfrage, zum Beispiel über die telefonische Hotline, auch das Regionalprinzip beachtet, d. h. möglichst die Berater benannt, die ihren Sitz nahe beim Anfragenden haben. Diese Kriterien sind zurzeit noch die einzigen, welche eine gewisse Auswahl möglich machen. Daher strebt der BVW e. V. richtigerweise eine Verbesserung der Qualität der Gründercoaching-Berater unter seinen Mitgliedern an. Dabei werden Anforderungen an einen Gründercoach definiert und diese durch Workshop-Angebote in die Praxis umgesetzt. Damit wird sicherlich ein Qualitätssprung innerhalb der Beratersuche erreicht, der die Suche nach einem geeigneten Coach effektiver und wirkungsvoller für alle Beteiligten macht.
 
Die Höhe des nach dem o. g. Programm förderfähigen Honorars eines Beraters (abgerechnet wird nach Tagessätzen) beträgt im Maximum 800 € pro Tagewerk (8 Stunden). Damit wird eine gewisse Normierung im Honoraranspruch bei Gründungsberatungen angestrebt, die auch einen geregelten Beratungsumfang erfordert und gewährleistet. Tagessätze über 800 € gehören den Spezialberatern, unter 400 € kann kein Berater mehr qualifizierte Arbeit auf dem neuesten Stand der Betriebswirtschaft leisten. Ein guter, vorausschauender Berater wird zudem Möglichkeiten und Erfordernisse erkennen, die das Gründercoaching in mehreren Etappen notwendig und sinnvoll machen, ein Generalist eben, der in sinnvoller Weise auch von einer Startothek-Lizenz (Datenbank der Gründungsberatung) aktiv Gebrauch macht.
 
3. KMU und Freiberufler - Ziele und Inhalte des "Gründercoaching Deutschland"
 
Die Klein- und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten sind zahlenmäßig sicherlich die Hauptgruppe bei der Inanspruchnahme des Gründercoaching Deutschland. Vielfältig sind die in Frage kommenden Maßnahmen zur Wettbewerbssteigerung, der Bedarf wird immer noch schwerlich erkannt und muss geweckt bzw. im konkreten Fall definiert werden. Ein erstes Gespräch mit einem Coach vor dem eigentlichen Antrag erscheint ratsam. Die meisten dieser Existenzgründer haben immer noch (wie schon bis zur Existenzgründung) betriebswirtschaftliche Probleme, was das Lesen und Verstehen betriebswirtschaftlicher Auswertungen anbetrifft, denn sie sind oft ausschließlich die Klientel der Steuerberater, an welche sie ihre Buchhaltung ausgelagert haben, einschließlich der Abrechnung für Personal und Finanzen. In vielen Fällen würden hier aber die Auswirkungen von geplanten oder an sie herangetragenen Investitionsmaßnahmen gar nicht bewältigt, geschweige denn in eine Rentabilitätsvorschau eingearbeitet werden können. Auch für die Beantragung von Krediten oder Landeszuschüssen fehlt oft Zeit und Know-how. Hier sind Berater gefragt, die den Kern der Maßnahme definieren und den gesamten betriebswirtschaftlichen Kontext hierzu gemeinsam mit dem Unternehmer abarbeiten.
 
Ein typischer Generalist wird bei der anstehenden Unternehmensentwicklung, zum Beispiel im Bereich von Internetpräsenzen, professionelle Firmen hinzuziehen. Da sind schnell mehr als 5.000 € ausgegeben, ohne dass der Coach selbst sein eigenes Honorar zur Abrechnung gebracht hätte. Aber ein Generalist steht zumindest für faire Verhandlungen mit den Profis und reicht alle ihm gewährten Vorteile weiter, so dass der Gecoachte selbst seine Mittel außerhalb des Förderprogramms wirkungsvoll einsetzen kann. Das Gleiche gilt für einzelbetriebliche Weiterbildungsmaßnahmen, die im Rahmen des Coachings erforderlich werden. Erfahrungen zeigen, dass die IHK’s als Regionalpartner vielerorts auch auf ebenfalls gecoachte Existenzgründer verweisen und so wieder neue Netzwerke ins Leben rufen, die infolge des Programms "Gründercoaching Deutschland" entstehen. Auch beim Thema "Unternehmensnachfolge" entstehen Querverbindungen zu Gründungswilligen, soweit sie über das notwendige Kapital verfügen.
 
Freiberufler, bislang eher stiefmütterlich behandelt bei der Beratungsförderung, sind ein weiteres Betätigungsfeld für Gründungsberater im Rahmen des "Gründercoaching Deutschland". Fachlich zwar Spezialisten, sind sie aber betriebswirtschaftlich in der Regel sehr am Coaching interessiert. Durch ihre freiberufliche Tätigkeit sind sie artverwandt mit dem Coach selbst, was das Ausmaß der täglichen Arbeitszeit, der Art der Leistungserbringung und der engeren Verquickung dieser mit dem persönlichen Lebensbereich anbetrifft. Sie sind demnach prädestiniert für das Coaching in dieser Struktur. Ihr Wissenszuwachs nach erfolgreichem Coaching stärkt ihr unternehmerisches Selbstbewusstsein. Sie können im Verlauf der Maßnahme lernen, ihre Personalprobleme direkter anzugehen, spätere Investitionen sach- und fachgerechter vorzubereiten, ihr Zeitmanagement zu verbessern und vieles mehr. Dies sind Probleme, für die sie normalerweise in der Gründungs- und Nachgründungsphase keine Zeit zu haben glauben.
 
Auch Kleinunternehmer können Leistungen im Rahmen des Gründercoaching in Anspruch nehmen. Hier ist Ziel für den Coach und den Gecoachten, aus der Kleinunternehmerschaft oder "Kümmerexistenz" heraus zu kommen und sich vor allem durch die Umsatzbesteuerung als richtiger Unternehmer präsentieren zu können. Dies sollte auch der Hauptgedanke bei der Beantragung sein. Beachten muss der erklärte Kleinunternehmer nach § 19 UStG allerdings, dass in seiner Honorarrechnung die Umsatzsteuer des Beraters zur Bemessungsgrundlage gehört, er also weniger Leistung für die maximale Förderung erhält – eine Ungereimtheit in der Richtlinie, die die KfW mit dem Fördergedanken zu kaschieren versucht, nämlich dass 6.000 € brutto für ein Gründercoaching eigentlich ausreichen müssten, was in der Praxis konterkariert werden dürfte.
 
4. Ausblick
 
Eine Neustrukturierung der Gründungsberatungsförderung, beschlossen auf der Wirtschaftsministerkonferenz vom 07./08. Juni 2006, ist ein engagiertes Vorhaben, wobei die Länder die Förderung in der Vorgründungsphase übernehmen und die Förderung der eigentlichen Unternehmensphase bis zum 5. Jahr nach Gründung durch den Bund / die KfW erfolgen soll.
 
"Gründercoaching Deutschland" ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Schrittweise sollen die Landesberatungsprogramme auf die einheitliche Schiene angepasst werden. Auch das ESF-Coaching der Bundesagentur für Arbeit wird voraussichtlich umgestellt auf den gleichen Verfahrensweg. Damit erlangt die Akkreditierung von Regionalpartnern, wie den IHK’s bzw. HWK’s, eine völlig neue Bedeutung, der Kontakt des Beraters zum jeweiligen Regierungspräsidium geht zurück.
 
Ein bundesweit einheitliches Fördersystem, welch eine Chance für eine effiziente Beraterarbeit auf einem bundesweiten Markt, und das im Jahr des 60. Geburtstages der freien Marktwirtschaft von Ludwig Erhard. Eine Chance für Alle!
 
Angelika Scheer-Leßig