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Bedeutung des Cash-Flow im Controlling
 
Von: Matthias Plesse

 
Controlling - Anforderungen
 
Das Unternehmen in guten Zeiten fit für den Wettbewerb im Tal des Konjunkturzyklus machen – eine Herausforderung für jeden Unternehmer! Eine mehrjährige positive Geschäftsentwicklung schafft für Unternehmer und Mitarbeiter ein gutes Gefühl von Sicherheit und Stolz auf das Erreichte. Aber Vorsicht! Oft wurde in neues Anlagevermögen investiert, neue Mitarbeiter eingestellt und die Fixkosten sind in aller Regel stark gestiegen. Andererseits war der Druck zur Rationalisierung relativ gering. Vom dauerhaft positiven Betriebsergebnis in der Konjunktur werden häufig strukturelle Schwachstellen (Kostenstruktur, Bestände, Produkte …) überlagert, welche bei konjunkturellem Abschwung plötzlich zu Tage treten. Die Qualität des betrieblichen Controlling-Systems muss sich daran messen lassen, ob es der Geschäftsführung zeitnah und objektiv diese Schwachstellen aufzeigt und Indikatoren für die künftige Entwicklung zur Verfügung stellt.
 
Dem Controlling stehen dabei zahlreiche Kennziffern zur Verfügung, welche die Bereiche Finanzierung, Liquidität, Rentabilität, Aufwand/Erfolg und Investitionen detailliert abbilden. Dabei sollte im betrieblichen Controlling-System jedoch Klasse vor Masse gehen. Die Erfahrung zeigt, dass für die monatliche Geschäftsführer-Information eines mittelständischen Unternehmens (bis ca. 100 MA) auf einem Blatt A4 alle relevanten Informationen darstellbar sind.
 
Der Cash-Flow – Verbindung von Liquidität und Erfolg
 
Die Liquidität des Unternehmens wird stets stichtagsbezogen ermittelt. Einfachster Ausdruck ist der Stand des Bankkontos z.B. per Monatsende, welcher dann auch in Verbindung mit den kurzfristigen Forderungen den kurzfristigen Verbindlichkeiten zum gleichen Stichtag gegenüber gestellt wird – Eine wichtige Aussage über die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Wie kam es aber zu dem so ermittelten Stand der Liquidität? Diese kann sich z.B. in der Abrechnungsperiode stark verschlechtert haben obwohl das Betriebsergebnis doch positiv war. Hier setzt der Cash-Flow an. Im Gegensatz zu den Liquiditätskennzahlen bezieht sich dieser stets auf eine ganze Abrechnungsperiode. Der Cash-Flow ist die Geldmenge, welche dem Unternehmen aus seiner Wirtschaftstätigkeit in der Abrechnunsperiode zugeflossen bzw. abgeflossen (negativer Cash-Flow) ist. Diese Aussage zeigt der Geschäftsführung in guten Zeiten Reserven auf und ist in der Krise von existentieller Bedeutung. Deshalb ist der Cash-Flow sowohl für sich genommen als auch im Zusammenhang mit anderen Kennziffern eine unerlässliche Führungsgröße.
 
Die Ermittlung des Cash-Flow
 
Sowohl die Interpretation des Begriffes "Cash-Flow" als auch das Herangehen bei dessen Ermittlung ist vielfältig. Ausführliche Ermittlungsverfahren bis hin zur Kapitalflussrechnung können bei "normalem" Geschäftsverlauf gern größeren Unternehmen oder längeren Perioden (Jahr) vorbehalten bleiben. Im laufenden Geschäftsjahr wird der Cash-Flow jedoch weitgehend durch nur wenige Größen bestimmt. Mit geringem Aufwand können (sollten!) diesen auch Kleinbetriebe als Führungsgröße nutzen! Nach Erfahrung des Autors hat sich unterjährig die folgende Ermittlung des Cash-Flow aus dem Ergebnis (EGT) bewährt:
 
+ Position Bemerkungen / Maßnahmen
+ Ergebnis aus gewöhnlicher
Geschäftstätigkeit (EGT)
Basis für Cash-Flow
Saldo aller Aufwendungen und Erträge,
unabhängig von Ein- und Auszahlungen
bei Verlust: Ursachen ermitteln!
+ Abschreibungen Keine Auszahlung
+
+
+
Minderung Bestand Material
Minderung Bestand unvollendete Leistungen
Minderung Bestand Fertigerzeugnisse
Im Regelfall positiv und keine Maßnahmen erforderlich /
EGT wurde ohne Auszahlung gemindert
-
-
-
Erhöhung Bestand Material
Erhöhung Bestand unvollendete Leistungen
Erhöhung Bestand Fertigerzeugnisse
Im Regelfall negativ / Ursachen ermitteln! /
EGT wurde ohne Einzahlung erhöht
= Cash-Flow (aus dem Ergebnis) Für Monatsauswertungen
und zur Verwendung in Kennzahlen

 
Es wird vorgeschlagen, unterjährige Kostenabgrenzungen, soweit diese bis zum Geschäftsjahresende aufgelöst werden, nicht in den Cash-Flow einzubeziehen. Weitere nicht ein- bzw. auszahlungswirksame Aufwendungen und Erträge (langfristige Rückstellungen, außerordentliche Aufwendungen und Erträge) sowie die Veränderung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen werden in die ausführlichere Berechnung des Cash-Flow zum Jahresabschluss einbezogen. Dies dient zum einen dem Jahresvergleich über Zu- bzw. Abfluss finanzieller Mittel und zum anderen ergeben sich Ansätze zur Planung des Cash-Flow bei künftigen Veränderungen der Verweildauer von Forderungen, Verbindlichkeiten und weiterer Bestände. Solche Betrachtungen des Cash-Flow als Quelle der Eigenfinanzierung künftiger Investitionen sollten jedoch Gegenstand eines gesonderten Beitrages sein.
 
Ergibt sich zur Monatsauswertung sowohl ein positives EGT (Gewinn) als auch ein positiver Cash-Flow, so hat das Unternehmen erfolgreich gearbeitet. Aber Achtung! Ein objektives Bild von der tatsächlichen Liquiditätsentwicklung im Abrechnungs- zeitraum ergibt sich erst bei Betrachtung folgender weiterer Positionen/Kennziffern:
  • Bank / Kassenbestand (Schwankungen und Kreditlinie beachten!)

  •  
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen über 30 Tage fällig (Forderungen gegebenenfalls absichern, Mahnwesen…)

  •  
  • Bank / Kassenbestand und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten (Liquidität 2. Grades). Achtung! Eine negative Liquidität 2. Grades gilt als Alarmsignal und erfordert die Analyse der Ursachen und Gegenmaßnahmen!
Sofern auch diese Positionen positive Ergebnisse zeigen – Gratulation der Geschäftsführung und den Mitarbeitern. Die erfolgreiche Arbeit hat auch zur finanziellen Stabilität des Unternehmens beigetragen.
 
Stärken und Grenzen des Cash-Flow
 
Die Stärken des Cash-Flow liegen vor allem in den Controlling-Bereichen Liquidität und Erfolg des Unternehmens. Allein schon die Ermittlung des Cash-Flow zwingt zur Betrachtung der Bestandsentwicklung im Umlaufvermögen. Durch die Abbildung der Bindung finanzieller Mittel im Umlaufvermögen, ist die Aussagefähigkeit des Cash-Flow wesentlich besser als die des EGT. Fehlentwicklungen werden so frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen möglich. Der Cash-Flow sollte deshalb bei der Geschäftsplanung, bei Zielvorgaben für das Management und Abrechnung der Leistungen des Unternehmens das EGT als Hauptkennziffer ablösen.
 
In der Konsequenz daraus ist zur Darstellung des Unternehmenserfolges die Cash-Flow-Leistungsrate (Cash-Flow / Betriebsleistung) für das Unternehmen wesentlich aussagefähiger als die Umsatzrentabilität (EGT / Betriebsleistung). Die Umsatzrentabilität bleibt dennoch eine Hauptkennziffer, vor allem für den Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche.
 
Der Umsatz, ab welchem ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet, ist bei der jährlichen Geschäftsplanung als Break-Even-Point eine beachtete Größe. Mit welchem Umsatz könnte aber das Unternehmen gegebenenfalls eine begrenzte Zeit auskommen, ohne Liquidität zu verlieren? Antwort darauf gibt der Cash-Flow-Point, welcher deshalb ebenfalls stets bei der Jahresplanung beachtet werden sollte.
 
Wie viele Jahre benötigt ein Unternehmen um das Fremdkapital vollständig abzubauen, also schuldenfrei zu sein? Die Schuldtilgungsdauer (Fremdkapital abzüglich der flüssigen Mittel / Cash-Flow des Geschäftsjahres) gibt dazu Auskunft und ist eine Hauptkennziffer im Controlling-Bereich der Liquidität.
 
Die Stärken des Cash-Flow liegen somit vor allem in seiner hohen Aussagekraft auch in Verbindung mit anderen Kennziffern und in seiner Signalfunktion. Er ist einerseits sehr gut geeignet, die Liquidität eines Unternehmens auf Jahressicht zu ermitteln. Andererseits ist der Cash-Flow (aus dem Ergebnis) für die Liquiditätsvorschau kürzerer Zeiträume ungeeignet, da er die Mehrwertsteuer, die kurzfristigen Veränderungen von Forderungen und Verbindlichkeiten und Sonderzahlungen nicht berücksichtigt. Seine Grenzen liegen auch dort wo es gilt, bestimmte Aufwendungen, Erträge, Bestände, Zahlungen usw. näher zu analysieren. Dazu stehen dem Controlling aber ebenfalls geeignete Mittel zur Verfügung.
 
Zusammenfassung/ Ausblick
 
Der Autor hat als betriebswirtschaftlicher Berater sehr positive Erfahrungen und Ergebnisse für Unternehmen erzielen können, indem er die Aufmerksamkeit auf die Kennziffer „Cash-Flow“ lenkt und die verstärkte Nutzung dieser sehr aussagefähigen Kennziffer in seiner Beratertätigkeit umsetzt. Eine weitergehende fachliche Diskussion, zum Beispiel in Richtung Kapitalbedarfsrechnung, ist darüber hinaus empfehlenswert. Ziel eines erfahrenen Beraters muss es daher sein, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung interessierter Unternehmen Lösungen zu finden und sie im Unternehmen umzusetzen.
 
Matthias Plesse