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Außenhandelsberatung für deutsche Firmen
auf dem Weg nach China


Von: Günther Klein

 
Auf dem gerade in St Petersburg stattfindenden Wirtschaftsgipfel ist die Rede vom chin. Yuen, der vielleicht in 10 Jahren den Dollar als globale Leitwährung ablösen könnte. Wovon das Handelsblatt und andere Publikationen hier sprechen ist also nichts anderes als ein Verschieben von Macht und Märkten.
 
Ziel dieses Fachbeitrages soll es sein, die sich aus diesem langsam aber stetigen Wechsel ergebenden Implikationen für die Außenhandelsberatung zu beleuchten.
 
Auswirkungen auf den Import / Export
 
Dem chin. Yuen steht nicht zuletzt auf Druck der Amerikaner eine Aufwertung bevor. Dies und die wirtschaftliche Krise in weiten Teilen Europas und Amerikas wird sich auf die Handelsbilanz und auf einer mirkroökonomischen Ebene auf das Geschäft deutscher Importeure und Exporteure auswirken.
 
Die nachfolgende Gegenüberstellung, soll veranschaulichen, wie sich welche Faktoren auf das Geschäft der zu beratenden Unternehmen auswirken könnten.
 

 
Einflussfaktoren Einfluss auf den Import Einfluss auf den Export
Aufwertung RMB Güter verteuern sich Wettbewerbsfähigkeit steigt
Ölpreis steigt Fracht verteuert sich drastisch Geringer Einfluss auf höherwertige Güter
Steigende Gesetzesauflagen (Umwelt-, Arbeitsrecht etc.) Waren ex China verteuern sich Nachfrage nach Hightech steigt (Umwelttechnik, Maschinen)
Größer werdende Mittelklasse Lohnkosten steigen, Güter ex China veteuern sich Steigende Nachfrage nach hochwertigen Konsumgütern
"Made in Germany"

 
Prof. Schell von der Manchester Business School brachte im Februar 2009 in seinem Vortrag "Globalisation's New End-Game: The Consequences of Recession on Global Economic Integration" hierzu ein einfaches Beispiel: Bei einem Rohölpreis von 120 USD/Barrel lohnt sich die Produktion von Kopien für den amerikanischen Markt nicht mehr in China. Eine Fertigung in Mexiko ist nicht nur denkbar sondern sogar zwingend.
 
Dieses Beispiel ist natürlich auch deshalb interessant, weil es impliziert, dass Amerika im gewohnten Maße konsumieren wird. China wird wirtschaftlich 2009 sicherlich um 8 % und mehr wachsen, während Staaten wie Deutschland (-3.8 % "Wachstum" im ersten Quartal 2009) oder die USA, eine Schrumpfung ihrer Wirtschaft sehen werden.
 
An dieser Stelle könnte man trefflich weitere Trends und deren Implikation für die Wirtschaft (und damit das Beratungsgeschäft) nennen, wie zum Beispiel die weiter fortschreitende Urbanisierung Chinas (20 Mio. Menschen zieht es pro Jahr in die Städte) oder die wachsende Anzahl älterer Menschen mit einem interessanten Konsumpotenzial. Dies wäre aber wohl nicht zielführend.
 
Wichtig an dieser Stelle ist nur festzuhalten, dass sich China von der "Werkband der Welt", rasch in "den" Verkaufsmarkt verwandeln werden könnte.
 
Bedeutung für die Außenhandelsberatung
 
Wer die Novemberausgabe 2008 des "Le Monde Diplomatique" gelesen hat, dem müsste eine Zahl ins Auge gesprungen sein: China wickelt 60 % des internationalen Handels mittlerweile mit anderen asiatischen Staaten ab. Dies bedeutet einerseits eine Entkopplung von den stagnierenden Märkten Europas und den USA, andererseits heißt dies (in Kombination mit der steigenden Nachfrage nach hochwertigen Produkten, s. o.), dass die Außenhandelsberatung verstärkt den Export (nicht nur von Investitionsgütern) in den Fokus der Beratungsbemühungen rücken sollte. BGA Präsident Börner weist zu Recht auf den Export als strategischen Ausweg für KMU's in Zeiten schwächelnder Binnenkonjunktur hin.
 
Der letzte Milchskandal in China (Sanlu und andere) hat zu einer gestiegenen Nachfrage von importierten Milchprodukten geführt. Selbige Nachfrage wurde rasch von australischen und neuseeländischen Firmen bedient, während deutsche Molkereien die Chance verpasst zu haben scheinen. In einem sich rasch wandelnden Markt wie China kommt es darauf an, Informationen vor Ort zu sammeln und diese rasch deutschen Klienten zur Verfügung zu stellen.
 
Zu den sich ändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den damit einhergehenden neuen Aufgaben für Berater sei noch der Auf- und auch Abbau von Firmen zum Beispiel in China genannt. Der oben aufgeführten Aufstellung kann man entnehmen, dass insbesondere arbeitsintensive Tätigkeiten derzeit aus China nach Vietnam, Kambodscha und anderswo verlagert werden (siehe zum Beispiel die deutsche Lederindustrie in Südchina).
 
Insbesondere China verlangt hier eine intensive Auseinandersetzung mit neuen Gesetzen, um Klienten Zugang zur drittgrößten Ökonomie der Welt zu verschaffen.
 
Ohne in den "apokalyptischen Gesang" (zum Beispiel Prof. Schell und andere) einstimmen zu wollen, wird man sich gerade in Deutschland noch intensiver (insbesondere die KMU's) mit dem Verkaufsmarkt China im Rahmen einer Außenhandelsberatung auseinandersetzen müssen.
 
Der bereits zitierte Prof. Schell prognostiziert indes, dass Investitionen den Außenhandel als treibende Kraft der Globalisierung ablösen werden, was wiederum bedeutet, dass Beratung hinsichtlich M & A (In- wie Outbound) zukünftig verstärkt nachgefragt werden könnte.
 
Unabhängig davon, ob man sich dem Verkaufsmarkt China zuwenden will oder seine Zukunft in der Beratung von FDI's sucht, ohne starke Partner vor Ort (China und Deutschland) lässt sich diese Aufgabe kaum lösen.

 
Günther Klein

 
    
 

 


Quellen:
 
  • Bulard M., "Die nächsten Herren der Weltwirtschaft", Le Monde Diplomatique, Deutsche Ausgabe, November 2008
  • Goel A., N. Moussari, VN Srivatsan, "Time to Rethink Offshoring?", McKinsey Quarterly Sept. 2008
  • Schell, C. "Globalisation's New End-Game: The Consequences of Recession on Global Economic Integration", Vortrag bei der Britischen Handelskammer Hong Kong / Guangzhou, Februar 2009
  • Smurthwaite J. (CEO TNS), "Changing Mindsets – New trends of the Chinese consumer",
    Vortrag bei der Britischen Handelskammer in Kanton 25/09/08